Bischof Thilo von Trotha
(V., 44), 1443-1514

Thilo von Trotha, Bischof von Merseburg, ist eine der geschichtlich bedeutenden Persönlichkeiten unserer Familie.

Er wurde am 17.8.1443 mit großer Wahrscheinlichkeit in Krosigk geboren. Thilo studiert an der Universität Leipzig, wo er Baccalaureus geworden ist. Schon mit 20 Jahren wird er zum Dompropst zu Magdeburg gewählt und am 15.2.1464 als solcher vereidigt. Die Eidesurkunde ist besiegelt mit einem gut geschnittenen Siegel, das im Wappenschild den Raben mit dem Ring im Schnabel zeigt, darüber die Inschrift „trote“ 108)

Um diese Zeit ist Thilo von Trotha zugleich auch Domherr von Merseburg geworden.

Am 21. 7. 1466 wurde er dann zum Bischof von Merseburg gewählt und nach erlangter päpstlicher Provision am Sonntag Lätare, den 16.3.1467, konsekriert. Nach Beckmann ist er der 41. Bischof von Merseburg112). 1471 belieh Kaiser Friedrich III. den Bischof Thilo mit den Regalien des Stiftes Merseburg. Am 29. Mai 1495 beleiht ihn Kaiser Maximilian mit „seines Stiftes Regalien, Lehen und Weltlichkeit“.

Aus einer Reihe von Urkunden ist das Vertrauen zu erkennen, das der Bischof Thilo auch in Rom genoss. So wurde er 1476 von Papst Sixtus II. u.a. mit der „Anstellung der Erörterungen beauftragt“ 115), als die Wettiner Herzöge bei der Kurie um Verleihung des Präsentationsrechtes zur Propstei, dem Dekanat und den Archidiakonaten des Bistums Meißen nachgesucht hatten.

1480 nahm Bischof Thilo an der Pilgerreise des Kurfürsten Ernst von Sachsen (1441-1486) nach Rom teil. In deren Folge erhielt er neben seinen allgemeinen Dienstaufsichtspflichten besondere Vollmachten „unter Zuziehung tüchtiger geistlicher Personen alle exemten und nicht exemten Klöster seines Sprengels, mit alleiniger Ausnahme der Ritter- und Bettelorden, besonders zu visitieren und, wenn nötig, an Haupt und Gliedern zu reformieren, Personen anstößigen Lebenswandels zu entfernen und durch geeignete andere zu ersetzen, die Klöster, die nur wenige Insassen hatten, zusammenzulegen, Besitzungen und Grundstücke behufs höheren Betrages zu verkaufen, in zeitlicher oder bleibender Erbpacht auszutun.“

Am 3.4.1496, am Sonntag Quasimodogeniti weihte Bischof Thilo die 1482 begonnene Thomaskirche zu Leipzig ein.

Als Kanzlers und päpstlicher Konservators der Universität Leipzig stand ihm u. a. die Gerichtsbarkeit über Professoren und Studenten zu und vom Sächsischen Fürsten erhielt er den Auftrag, „daß er verbessere und in Ordnung bringe, was aus den Fugen gekommen“.

Durch die Bautätigkeit des Bischofs Thilo v. Trotha, besonders am Schloss und Dom wurde das Stadtbild von Merseburg in seinem bis heute schönsten Teil entscheidend beeinflusst.

Nach 48 Jahren geistlichem Amt starb Bischof Thilo am 5. März 1514. Er ruht in der von ihm neu hergerichteten Bischofskapelle des Domes in einer metallenen Tumba von künstlerisch hochwertiger Ausführung.

Im Einzelnen

Thilo von Trotha, Bischof von Merseburg, wurde am 17.8.1443 mit großer Wahrscheinlichkeit in Krosigk geboren. Sein Großvater Friedrich von Trotha (III.,29) hatte das Rittergut Krosigk gekauft.

Als 2. Sohn tritt er in den geistlichen Stand. Er studiert an der Universität Leipzig, wo er Baccalaureus geworden ist. Schon mit 20 Jahren wird er, als Nachfolger des Anfang 1464 verstorbenen Arnold v. Treskow, zum Dompropst zu Magdeburg gewählt und am 15.2.1464 als solcher vereidigt. Sein Eid ist besiegelt mit einem gut geschnittenen Siegel, das im Wappenschild den Raben mit dem Ring im Schnabel zeigt, darüber die Inschrift „trote“ 108).

Um diese Zeit ist er zugleich auch Domherr von Merseburg geworden.

Im Archiv von San Spirito zu Rom findet sich im Verzeichnis der Persönlichkeiten, die durch Geldbeträge die Bruderschaft daselbst gewonnen haben, leider ohne Datum, die Eintragung. ,,Tilemannus de Trotte, Magd. Halberstad, Nuwenburg, Merseburg ecclesiarum canonicus et eiusdem Nuwenburg, custos.“ Von anderer Hand ist beigeschrieben: „episcopus 1466 Merseburg“ 110).

Am 21. 7. 1466 wurde er, wie eine Urkunde des Domarchivs 111), die leider zum großen Teil zerstört ist, bestätigt, zum Bischof von Merseburg gewählt und nach erlangter päpstlicher Provision am Sonntag Lätare, den 16.3.1467, konsekriert. Nach Beckmann ist er der 41. Bischof von Merseburg 112). In sein Amt wurde Bischof Thilo durch den Erzbischof Johann von Magdeburg eingeführt.

1471 belieh Kaiser Friedrich III. den Bischof Thilo mit den Regalien des Stiftes Merseburg und wies ihn an, den Lehnseid in die Hände des Herzogs Ernst v. Sachsen abzulegen. Auf dem Rücken dieser Urkunde versichert Thilo, dass er diesen Eid am Donnerstag nach navitatis marie 1471 in Dresden abgelegt hat. Nach einer Urkunde (mit anhängendem Siegel) beleiht dann 1495, am 29. Mai, Kaiser Marximilian den Bischof Thilo mit seines Stiftes Regalien, Lehen und Weltlichkeit.

Von Thilo ist gesagt 114). "Dieser Bischof ist ein ansehnlich langer 115) Herr, bei den Fürsten zu Sach-sen wol gehalten, u. jr., oberster Rath, u. Hertzog Georgen zu Sachsen Tauffpathe, zu vorhin ist er ein Thumbprobst zu Magdeburg u. ein Thumbherr zu Marsburg gewest, klug, weise u. verstendig, seine unterthanen u. die Burger hat er lieb gehabt, sich Fürstlich u. prächtig gehalten, kostfrey, milde, u. bey allen Fürsten ganz achtbar gehalten. Item er hat das Bischthumb über alle andern Bischoffe an gebewden, güttern u. einkommen gros gebessert, die Kirche S. Laurency zwischen dem Chore u. dem Glockenthorm, bis unter das Dach nav auffgebawt. Item nach seinem tode, hat er sechszig tausend gulden bar geldt, u. keine schulde, und in allen ampten einen großen Vorrat an Getreide gelassen.“

Er wird bezeichnet als der großherzige, mutige und geistvolle "Tylo aus der Familie der von Trote“ ... ein kluger. verständiger Mann von außerordentlicher Einsicht, wachsam in geistlichen, gewandt und vorsichtig in weltlichen Angelegenheiten und eines großen Ruhmes würdig, denn er war überzeugt, daß die Tugend in Dreierlei bestehe, zuerst darin, daß man einsehe, was in jeder Sache wahr und richtig, was einem jeden billig sei und zukomme, zweitens darin, daß man Aufregungen des Gemütes zügele und die Begierde dem Verstande unterweise, drittens, daß wir mit denen, mit welchen wir umgehen, durch deren Bemühungen, wie das, was die Natur wünscht, hinreichend und in Überfluß besitzen, gemäßigt und mit Vernunft verkehren. Endlich daß wir, wenn uns von denselben etwas Unangenehmes zugefügt wird, es abwehren und an denen, welche haben, rächen und ihnen Strafe auflegen, soweit es sich mit der Billigkeit und Menschlichkeit verträgt“.

Die „Vorstudien zur Geschichte des Geschlechts von Trotha“ aus dem Jahre 1860 erwähnen, dass Bischof Thilo vier Jahre nach seiner Belehnung vom Kaiser aufgefordert wurde, an einem Zug gegen die Schweizer persönlich teilzunehmen. Er habe dies durch Vermittlung des Herzogs Georg von Sachsen abgelehnt, er habe dem Reiche nicht unmittelbar Kriegsdienste zu leisten, sondern zunächst seinen Schutzherren, den Herzögen von Sachsen.

Sein Einfluss und die hohe Achtung, die er besaß, kommen bei verschiedenen Anlässen zum Aus-druck. So finden wir seinen Namen am 29.2.1474 unter den Festgästen bei der Hochzeit des pfälzischen Thronfolgers in Amberg. Er wird hierbei bezeichnet als ,,der verdienstvolle Förderer der Leipziger Universität118).

Am 23.10.1475 befindet sich Thilo im Gefolge der Herzogin-Witwe von Sachsen, die an der sächsischen Grenze bei Wittenberg mit großem Aufwand die 14-jährige Prinzessin Hedwig, Tochter des Königs Kasimir IV. Jajiello von Polen, empfängt, die als Braut dem Herzog Georg von Bayern, Sohn Herzogs Ludwig „des Reichen“, nach Landshut zugeführt wird.

Diese „Landshuter Hochzeit“, die damals das christliche Abendland vereinte, wird noch heute alle vier Jahre als ein historisches Fest in der altbayerischen Herzogstadt gefeiert. Grundlage der Aufführungen sind die alle Einzelheiten überliefernden Aufzeichnungen zweier Chronisten, des „Markgrafenschreibers“ und des „Klosterschreibers von Seligenthal“.

So wurden jeden Tag „Turniere zur Kurzweil“ abgehalten. „Am Mittwoch nach dem feierlichen Festgottesdienst ritten nacheinander Heinz von Waldenfels gegen Hans von Trotha und ein Parsberger gegen Joß von Luchau“.

Es ist anzunehmen, aber leider nicht überliefert, dass sich die beiden Brüder, vielleicht nach langer Zeit, auf dieser Hochzeit wieder begegnet sind.

1478 wurde ihm vom Kurfürsten Ernst von Sachsen das Geleit seiner Tochter, der Prinzessin Christine, als Braut des späteren Königs Johann von Dänemark an den Hof nach Kopenhagen übertragen. 1471 wurde Thilo vom Herzog Albrecht von Sachsen während dessen Abwesenheit in Friesland und 1487 im Reichskriege gegen Matthias Eorvinus von Ungarn gemeinsam mit dem Bischof Johann von Meißen und Bruno Edlen zu Querfurt die Statthalterschaft in die Hand gegeben 115).

Aus einer Reihe von Urkunden ist das Vertrauen zu erkennen, das der Bischof Thilo auch in Rom genoss. So wurde er auch115), als die Wettiner Herzöge bei der Kurie um Verleihung des Präsentationsrechtes zur Propstei, dem Dekanat und den Archidiakonaten des Bistums Meißen nachgesucht hatten, von Papst Sixtus II. mit der Anstellung der Erörterungen beauftragt. Er leitete dann 1476 auf der Burg Giebichenstein die Verhandlungen, bei denen die Übertragung des Patronats auf die Fürsten als der Ruhe und dem Frieden förderlich bezeichnet wurde.

1480 nahm Thilo dann teil an der Romreise des Kurfürsten Ernst von Sachsen (1441-1486), über die der Pfarrer Franz Thurmhofer in Braunfeld bei Weißenburg i. B. eingehend berichtet121). „Gewichtige Familieninteressen hatte sicher Kurfürst Ernst auch im Auge, als er im FrühIahr 1480 die Reise nach Rom unternahm.“ Damit ist auf das Streben des Wettiner Fürstenhauses hingewiesen, planmäßig seine Stellung in der Mitte des Reiches zu erweitern und zu festigen und dabei vor allem auch das Erzbistum Magdeburg unter seinen Einfluss zu bringen.

Kurfürst Ernst und sein Bruder Albrecht der Beherzte -Söhne Friedrichs des Sanftmütigen- waren bestrebt, den wirtschaftlichen Wohlstand ihrer Untertanen zu fördern. Sie führten eine selbständige, zielklare Politik, rangen sich zu führender Stellung im Reich empor, standen mit den süddeutschen Fürsten auf freundschaftlichem Fuß, wahrten dem Kurfürst Albrecht Achilles von Brandenburg gegenüber ihre Selbständigkeit und ihr Recht, suchten durch ihre Kirchenpolitik den Glanz ihres Hauses zu heben und waren dafür unermüdlich bestrebt, ihren jüngeren Söhnen geistliche Fürstentümer zu erwerben oder sie durch Getreue zu besetzen.

Reisefroh waren die Wettiner jener Tage. 1476, gerade zu der Zeit, als man sich in Rom um die Bestätigung des Postulaten Ernst für Magdeburg redlich abmühte, hat Herzog Albrecht der Beherzte eine Pilgerfahrt nach Jerusalem angetreten, an der der Bruder des Bischofs, Friedrich von Trotha (V., 45) teilnahm; nun macht sich Kurfürst Ernst mit großem, fürstlichen Gefolge auf nach Rom.

Am 3. Februar machten sich 60 adelige Herren mit mehr als 200 Pferden von Dresden aus auf den Weg. Die Reise ging über Coburg, Bamberg, Bayersdorf, Nürnberg, Landshut, Freising, München, Tölz, Mittenwald, den Scharnitz-Paß, Innsbruck, Matrei, über den Brenner, Gossensaß, Sterzing, Jaufenpaß, Bozen, Triest, Verona, Bologna, Florenz, Siena nach Rom, wo man nach 47 Tagen am 22. März eintraf.

Mit zahlreichen Gottesdiensten auch über die Ostertage, Empfängen und Audienzen aller begleitenden Fürsten bei Papst Sixtus IV. und vielen wertvollen Geschenken, hatten es die Deutschen Fürsten verstanden, sich die Zuneigung und das Wohlwollen aller zu erwerben.

So trat man am 13. April fast auf dem gleichen Weg die Rückreise an und traf Anfang Juni 1480 wieder in Dresden ein.

Eine Folge der Romfahrt war dann auch die Zustimmung des Papstes zur Wahl des erst 22-jährigen Herzog Ernst zum Erzbischof von Magdeburg, die durch den päpstlichen Legaten in Deutschland am 26. Juli 1484 im Kloster Neuwerk bestätigt wurde.

Erzbischof Ernst von Magdeburg und Halberstadt empfing dann die Priesterweihe durch Bischof Thilo von Trotha auf Schloss Gibichenstein und wurde am Sonntag, den 22. November 1489 von Bischof Thilo im Dom zu Magdeburg feierlich in sein hohes Kirchenamt eingesegnet.

Kirchliche Wirksamkeit des Bischofs Thilo

Über die allgemeine kirchliche Wirksamkeit des Bischofs Thilo sind zahlreiche Zeugnisse erhalten125).

Die Ordination der geistlichen war seine Aufgabe, auch die Einweihungen von Kirchen vollzog er, z. B. 1496 die der erneuerten Thomaskirche zu Leipzig. Von großer Bedeutung war die Ausübung der Gerichtsbarkeit. Die weltliche war zum großen Teil den fürstlichen und städtischen Behörden überlassen, dagegen wurde die kirchliche von ihm selbst oder den beauftragten Beamten ausgeübt.

1468 unterhandelte er mit dem Erzbischof Johann von Magdeburg wegen des von der Kurie geforderten Zehntens der Geistlichkeit. Mehrfach beschäftigte ihn z. B. die rechtliche Stellung der Propstei Penig. 1478 hob er sie auf Bitten des Chemnitzer Abtes Kaspar auf und bestimmte, daß hinfort Weltpriester daselbst eingesetzt werden sollten, aber 1500 und 1504 lebte die Angelegenheit wieder auf.

Auch hatte er die Aufsicht über das Vermögen der Kirchen seines Sprengels zu führen, z. B. Stiftungen, Vererbungen und Verkäufe zu genehmigen. Das Leipziger und Grimmaer Ulrkundenbuch bieten zahlreiche Beispiele. Der Sitte der Zeit gemäß hatte er kirchliche Werke durch Erteilung von Ablaß zu unterstützen.

So wird berichtet 126), dass 1475 ein dem Hospital zu Merseburg gehöriger Platz vor dem Lützener Tor einem heiligen Zweck gewidmet worden sei (wahrscheinlich für eine Hospital-Kapelle). Nach einer Verordnung des Papstes Sixtus IV. wurde diesem Ort in seinem Namen und dem von 10 Kardinälen ein Ablass von 100 Tagen zugestanden und zugleich angeordnet, ihn nach dem Grabe des Herrn und des heiligen Wolfgang zu nennen. Bischof Thilo hat "die Überfülle päpstlichen Ablasses durch Hinzufügung von weiteren 14 Tagen noch vermehrt“ (1552 ist dann übrigens, infolge der Pest "der um die Kirche gelegene Friedhof in der Stadt selbst von Leichnamen angefüllt und dieser Begräbnisplatz der menschlichen Gesundheit sehr schädlich war“, dieser Platz vor dem Lützener Tor zum Friedhofe bestimmt und geweiht worden).

1467 125) gewährte er der Frauenkirche zu Grimma 40 Tage Ablass, ebenso 1468 für den infolge der Pest kurz vorher eingeführten Gesang, O adoranda Trinitas, in den Leipziger Pfarrkirchen und 1498 für ein neugestiftetes Salve Regina in der Nikolaikirche zu Grimma, ebensoviel fügte er 1502 hinzu, als der Kardinal .Raimund v. Gurk 100 Tage Ablass für alle diejenigen bewilligt125) hatte, die zum Zwecke der Heiligsprechung Benno von Meißens Opfer spenden würden.

Ein Jahrzehnt später machte Bischof Thilo in seinem Sprengel die Bulle des Papstes Julius II. be-kannt, nach welcher die vom Papst Innozenz VIII. behufs Unterstützung eines Turmbaues in Freiberg verliehenen Ablässe nach Ablauf der früher bezeichneten Frist noch auf weitere 20 Jahre verlängert wurden.

Neben der regelmäßigen Visitation der kirchlichen Anstalten wurden Bischof Thilo von der Kurie besondere Vollmachten zuteil, „unter Zuziehung tüchtiger geistlicher Personen alle exemten und nicht exemten Klöster seines Sprengels, mit alleiniger Ausnahme der Ritter- und Bettelorden, zu visitieren und, wenn nötig, an Haupt und Gliedern zu reformieren, Personen anstößigen Lebenswandels zu entfernen und durch geeignete andere zu ersetzen, die Klöster, die nur wenige Insassen hatten, zusammenzulegen, Besitzungen und Grundstücke behufs höheren Betrages zu verkaufen, in zeitlicher oder bleibender Erbpacht auszutun“.

Am 3.4.1496, am Sonntag Quasimodogeniti weihte Bischof Thilo die 1482 begonnene Thomaskirche zu Leipzig ein.

Seit der Gründung der Universität Leipzig war dem jedesmaligen Bischof von Merseburg noch eine neue Würde zugefallen, die eines Kanzlers und päpstlichen Konservators.

Diesem stand die Gerichtsbarkeit über Professoren und Studenten zu, die wohl zu den Verhandlungen nach Merseburg kommen mussten. So erließ auch Thilo mehrfach Vorladungen, z. B. infolge einer Schlägerei Leipziger Studenten und Bauern in Lindenau. Die Umständlichkeit dieses Gerichtsverfahrens, die damit zusammenhängenden Schwierigkeiten und Kosten waren jedenfalls die Veranlassung, dass im Jahre 1496, unter Zustimmung des Herzogs Georg, die Gerichtsbarkeit dem jeweiligen Rektor der Universität übertragen wurde.

So wird berichtet 128):

"Da die Handhabung der akademischen Gesetze, die Zucht und der Unterricht vernachlässigt erschienen, wurde vom Merseburger Bischof Thilo, dem Konservator und Kanzler der Universität, von dem Sächsischen Fürsten der Auftrag erteilt, daß er verbessere und in Ordnung bringe, was aus den Fugen gekommen. Von diesem wurden nun ebensowohl Vorschriften für die Studien, als auch für die Kleidertrachten erlassen.“

Auch bei der gleichzeitigen Reform der Universität war der Bischof mehrfach beteiligt. Ebenso stand er bisweilen mit der philosophischen Fakultät in Verhandlung und empfahl ihr mehrfach junge Gelehrte zur Aufnahme, ohne immer Gehör zu finden.

Erwähnung verdient auch ein Antwortschreiben vom 28.5.1493 an den Erzbischof Ernst in dem er, zur Vertreibung der Juden aufgefordert, dieses mit dem Hinweis ablehnt, daß es in Merseburg „oder in alle unserm Stift keyne samelung von juden habe, dann alleyne eynen juden mit seynem sone und tochtermann, dem wir denne in unser stadt Merszburg...geleyden wollen...“

„Datum Merszburg dinstags in den pfingstheiligen tagen anno domini cet XCIII.
Tilo, von gots gnaden bischoff zcu Merszburg.“

Bischof Thilo als Bauherr

Sehr bemerkenswert ist die rege Bautätigkeit, die Bischof Thilo entfaltete. Durch sie wurde das Stadtbild von Merseburg in seinem schönsten Teil bis auf den heutigen Tag entscheidend beeinflusst.

Schloss Merseburg

Im 13. Jh. errichtete Bischof Heinrich von Wahren nördlich des Domes ein neues Bischofsschloss. Um 1470 begann Bischof Thilo von Trotha nach dem Abriss des Vorgängerbaus mit einem Neubau des Schlosses. 1605-08 erfolgte auf Bestreben des Herzogs Georg I. von Sachsen ein tiefgreifender Um- und Erweiterungsbau durch den Baumeister Melchior Brenner. Die von ihm geschaffene Schlossanlage ist ein beeindruckendes Zeugnis der deutschen Spätrenaissance. Durch Um- und Neubauten während der Jahrhunderte geprägt, stellen Dom und Schloss heute eine gelungene harmonische Komposition mehrerer Stilepochen dar.

Das Wappen des Bischofs Thilo von Trotha ist an den drei Schlossflügeln mehrfach angebracht, so außen am Westflügel, am ehemaligen Hofportal des Ostflügels und, besonders groß, am Nordgiebel des Ostflügels, an der Ecke zum Schlossgarten, letzteres mit der Überschrift: „Thilo de Trotha episcopus Merseburgensis anno domini MCCCCLXXXXIII.“

Dom zu Merseburg

Grundsteinlegung 1015, Weihe 1021 im Beisein Kaiser Heinrichs II., frühromanische Hallenkrypta - Weihe 1042, spätromanische Erneuerung um 1230 (Chor- und Querhaus mit Chorschranken, Vorhalle), 1510-17 spätgotisches Hallenlanghaus, Grabmal Rudolfs von Schwaben 1080; Ladegastorgel 1855 mit barockem Prospekt, beeindruckendes Zielobjekt an der Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt.

Nach dem Bau des Schlosses wandte Bischof Thilo seine besondere Aufmerksamkeit der Domkirche zu, deren heutiges Erscheinungsbild durch seine Baumaßnahmen entscheidend bestimmt wurde.

Der 1015 durch Bischof Thietmar gegründete Dom wurde im 13. Jahrhundert einem Umbau unterzogen, durch den der Chor, das Querschiff, der Zwischenbau zwischen den Westtürmen und die Westvorhalle (deren jetziges Gewölbe aber erst von einem Nachfolger Thilos stammt) ihre heutige Gestalt erhalten haben. Die Krypta stammt noch aus dem 11. Jahrhundert.

Zur Zeit Thilos war der Hauptraum der Kirche, das Langhaus, so baufällig, dass er sich zur vollständigen Erneuerung des Mittelschiffes und beider Seitenschiffe entschloss. Im Jahre 1562 begannen die Bauarbeiten, die sich bis 1517, also bis über seinen Tod im Jahre 1514 hinaus, ausdehnten. Thilo ließ den gesamten Baukörper zwischen Westhalle und Querschiff abreißen und errichtete auf den Fundamenten des aus dem 11. Jahrhundert stammenden Baues das neue, mit seinen hohen gotischen Maßwerkgiebeln so charakteristische Langhaus.

Zur Erinnerung an Bischof Thilo ist außen rechts neben dem mittleren Fenster der Nordseite ein Sandsteinrelief mit einem das Trotha-Wappen haltenden Engel angebracht. Auch die reich verzierten Domportale stammen aus dieser Zeit, u. a. das Portal am nördlichen Querschnitt mit einer besonderen Steinmetzarbeit darüber: ein Mann in orientalischem Gewand liegt auf einem Ruhebett, in der Stellung eines Erwachenden. Die Umschrift ist schwer lesbar, aber nach 1. Mos. 28, 16 zu ergänzen in: (übersetzt)

,,Da nun Jacob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Gewiß ist der Herr an diesem Ort, und ich wußte es nicht ... wie heilig ist diese Stätte. Hier ist nichts anderes denn Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels.“

Unten sieht man das Trothasche Wappen und den Buchstaben t. Auch in dem Gestühl der südlichen Chorwand des Domes ist ein in feinster, großer Schnitzarbeit ausgeführtes Wappen unserer Familie angebracht, das man auch sonst noch an verschiedenen Stellen des Domes und auch am großen Kronleuchter in der Westvorhalle findet.

Im Zuge dieser Bauten ließ Thilo auch die Bischofskapelle besonders prächtig herrichten, erneuerte ihre Bestimmung als bischöfliche Gruft und ließ an ihrer Südseite die Bilder seiner sämtlichen Vorgänger im Kniestück anbringen. Auch der Ost- und Südflügel des Kreuzganges dürften durch Thilo erneuert sein, wofür ein Gewölbeschlußstein mit dem Trothaschen Wappen spricht. Der Ausbau des Kapitelhauses, südlich vom Domchor gelegen, geht auch auf den Bischof Thilo zurück. Er ließ beide Kapitelstuben mit den Wappenschildern der stiftischen Vasallen ausmalen, unter ihnen besonders groß und prächtig über dem Portal zur Bibliothek das Stiftswappen des Bischofs Thilo.

In der allgemeinen Amtsführung des Bischofs rühmt der Chronist dessen "Tüchtigkeit, seine Gewissenhaftigkeit in geistlichen Dingen und seine Gewandheit in weltlichen Geschäften“. ,,Neue Gründungen von geistlichen Stellen und sonstige zahlreiche Stiftungen erhöhten das Einkommen des Bischofs, dessen Überschüsse er nutzbringend in Landbesitz oder zinstragenden Kapitalien anlegte.“

Es ist interessant, aus den Nachrichten der Lehnbücher zu sehen, wie eifrig Thilo bemüht gewesen ist, durch Rückkäufe das Stift zu bereichern. Die Kaufsumme war meist gering (Copial-Buch des Merseburger Domkapitels Nr. 124 und 160). Nicht weniger als 85 seiner Erwerbungen für die Kirche von Merseburg sind aus den noch vorhandenen Kaufbriefen nachzuweisen. Vorwerke, Burglehn, Feld, Wiesen, Holz, Gärten, Pfarrlehn, Zinsen, Werder, Gerichte und Gerechtigkeiten. Der wirtschaftliche Aufschwung damaliger Zeit (Allgem. deutsche Biographie) kam ihm hier sehr zustatten.

Bischof Thilos Tod und Bestattung

Nachdem er 48 Jahre sein hohes geistliches Amt verwaltet hat, ist Bischof Thilo am 5. März 1514 gestorben. Bei seinem Tod verrichtete der neue Bischof, der erhabene Prinz, kniend ein Gebet für das Heil der Seele.

Er ruht in der von ihm neu hergerichteten Bischofskapelle des Domes in einer metallenen Tumba von künstlerisch hochwertiger Ausführung. Der bis auf die Schriftplatte vor dem Tode des Bischofs gearbeitete Sarkophag gilt mit Recht als ein Werk des älteren Peter Vischer gegen 1500. Die Deckplatte zeigt ihn im Ornat, in der Rechten ein Buch, in der Linken den Stab haltend. Zu seinen Füßen ist rechts das Wappen des Stifts, links sein Familienwappen angebracht. Die kleinen Seitenflächen sind mit Engelreliefs geschmückt und auf der großen steht folgende Inschrift:

,,Thilo von Trotha. Bischof dieser Kirche, hat, weil er wünschte aus der alten Kirche eine neue zu machen große Aufwendungen gemacht. Er baute das Schloß und den herrlichen Palast und vergrößerte alles, wie ja die Gebäude beweisen. Und nun ruht er in dieser Erde. Seiner Seele erbarme sich der allmächtige Gott. Er war Bischof an die 48 Jahre. Er starb im Jahre des Herrn 1514 am 5. März. Amen.“

An der östlichen Wand befindet sich ein prachtvolles, vergoldetes Epitaphium aus der Werkstatt Peter Vischer (Sohn d.o.) um 1515. In der Mitte geteilt zeigt es rechts die Dreieinigkeit und links den betenden Thilo. Auf dem Heiligenschein Gottes des Vaters ist zu lesen. ,,Salvator mundi adiuva nos omnes“.

In der Merseburger Chronik steht aus dem Lateinischen übertragen156):

„Ausgezeichnet durch Sitten, einnehmend von Worten und Mienen,
Mächtig durch geistige Kraft, glänzend durch Wissen und Kunst,
Ragete Thilo hervor, der Bischöfe größter und bester.
Ähnlich dem grausen Orkan naht ihm der feindliche Tod,
Da er als Bischof geherrscht fast acht und vierzig der Jahre.
Romulus starb, und zugleich Numa Pompilius in ihm.“

Auf dem Epitaphium findet sich folgende Inschrift (übersetzt)156):

„Unter dem Hügel hier liegen des großen Thilo Gebeine,
Thilos, welchen berühmt machte des Geistes Gewalt,
Meister allein nicht im Wissen, als Autor auch wert der Bewunderung.
Ach, nicht verdient er den Tod, dem er durch Schicksal erlag!
Er lebt dess ungeachtet in weithin strahlendem Ruhm.
Sieh hin, an diesem Ort liegt er bestattet zur Ruh.“

Darüber hinaus ist ein köstliches Messgewand des Bischofs Thilo aus braunseidenem, mit Gold durchwirkten Samt erhalten. Auf dem goldenen Kreuz sind in erhabener Stickerei folgende Figuren angebracht: Christus, Gottvater, Petrus mit dem Schlüssel, Paulus mit dem Schwert, Maria, Johannes, der heilige Nathasius mit der Zange und der heilige Veit mit dem Hahn, teils als Brustbilder, teils in ganzer Figur.

Verkauf von Skopau an die Familie von Trotha

1477 erwarb Bischof Thilo von dem Stift Merseburg die Burg Skopau. Im gleichen Jahr gab er Skopau seinem älteren Bruder Claus (V., 42) zu Lehen.

Skopau hatte früher zur Markgrafschaft Landsberg gehört und war 1291 an die Herzöge von Braunschweig gekommen. Durch den Erzbischof Otto von Magdeburg war Skopau jedoch dem Herzog Magnus von Braunschweig abgenommen worden. 1360 wurde dann Skopau mit Corbetha und Collenbei dem Stifte Merseburg pfandweise und 1444 durch den Erzbischof Günther von Magdeburg käuflich abgetreten.

Quellen

  • 108) Magdeburger Geschichtsblätter XXIV (1889), ,,Die Dompröpste und Domdechanten von Magdeburg“
  • 110) Magdeburger Geschichtsblätter XXVII (1892), „Magdeburger in Rom“
  • 111) Domarchiv zu Merseburg, siehe auch Chron. Magd. ap. Meibom II, 366.
  • 112) Vgl. auch: Meibom, Tf. II. Rer. German fol. 366.
  • 114) Chronica und Antiquitates des alten kaiserlichen Stiffts, der Römischen Burg und Stadt Marsburg etc. 1555, von Ernst Brotuff , Leipzig 1557 durch G. Hantzek.
  • 115) Allgemeine deutsche Biographie von Georg Muller, Band 38. Dieser Quelle auch sonst vielfach Einzelheiten entnommen.
  • 118) Neues Archiv fur sächsische Geschichte, Band 29 Heft 1/2 S. 156.
  • 121) Neues Archiv fur Sächsische Geschichte pp. Band 24 (1921).
  • 125) Allgemeine deutsche Biographie Band 38 von Georg Müller.
  • 126) Merseburger Chroniken I von M. Christian Voccius.
  • 128) Dresserus, de praecipuis Germaniae urbibus in descriptione Lipsae et Academiae Lipsiensis.
  • 156) Chron. Episc. Merseb. Op. de Ludewig.