
Adrian Dietrich Lothar von Trotha
(XV.,548) 1848 bis 1920
General der Infanterie, Gouverneur von Deutsch-SW-Afrika
Adrian Dietrich Lothar von Trotha ist sicherlich eine schwierige und bis auf den heutigen Tag umstrittene Persönlichkeit aus der jüngeren Geschichte der Familie v. Trotha.
Nach mehreren Stationen seiner militärischen Laufbahn erfolgte am 3. Mai 1904 seine Ernennung zum Gouverneur in Deutsch-Südwest-Afrika und zum Kommandeur der Schutztruppe mit dem Auftrag der Reichsregierung, den Aufstand der eingeborenen Hereros und später der Hottentotten niederzuschlagen.
Sein hartes, kompromissloses militärisches Handeln im damaligen Deutsch-Südwest-Afrika nach der Schlacht am Waterberg im Jahre 1904 ist aus heutiger Sicht auch von der heute lebenden Generation der Familie schwer nachzuvollziehen.
Gerade wegen der bis auf den heutigen Tag aktuellen Auseinandersetzung zu diesem Thema - unter anderem der Beschwerde durch Vertreter des Stammes der Herero beim internationalen Gerichtshof in Den Haag und ihrer aktuellen Klage vor einem Gericht in Washington DC, in der von der Bundesregierung und zwei deutschen Firmen Entschädigung für Völkermord und Ausbeutung in der deutschen Kolonialzeit gefordert wird - darf Lothar von Trotha an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Wir möchten uns hier allerdings lediglich auf die Darstellung seines biographischen Werdegangs beschränken.
Über die Einordnung seines militärischen Wirkens in Deutsch-Südwest-Afrika am Anfang des 20. Jahrhunderts möchten wir an dieser Stelle auf die Arbeiten verweisen, die von mehreren in- und ausländischen Historikern bis in die heutige Zeit veröffentlicht wurden; besonders auf die Arbeit über den bedeutenden Hereroführer Samuel Maharero von Dr. Gerhard Pool: Samuel Maharero, Dr. Gerhard Pool, Windhoek: Gamsberg Macmillan Publishers, Namibia, 1991.
Adrian Dietrich Lothar von Trotha
- geb. 03.07.1848 Magdeburg,
- gest. 31.03.1920 Bonn,
- Kgl. Preuß. General der Infanterie,
- Kommandeur der Schutztruppe und Gouverneur von Deutsch-SW-Afrika,
- Rr. des Ordens pour le mérite"
- verh. I. 15.10.1872 mit Bertha Neumann
- II. 19.05.1912 mit Lucy Goldstein-Brinkmann
Lothar von Trotha war das vierte von fünf Kindern einer typischen preußischen Offiziersfamilie, die durch Versetzungen häufig den Dienst- und Wohnort wechselten. So besuchte Lothar die Gymnasien in Wittenberg, Koblenz und Köln. Lothar von Trotha hat 1872 seine erste Frau, Bertha Neumann, geheiratet. Er hatte zwei Söhne die 1874 und 1875 geboren wurden; beide Söhne blieben kinderlos. Nach dem Tode seiner ersten Frau heiratete er 1912 Lucy Goldstein-Brinkmann diese zweite Ehe blieb kinderlos.
Am 24.11.1865 trat er in Berlin in das 2. Garderegiment zu Fuß ein und kämpfte am 12. Juli 1866 als Fähnrich mit seiner Truppe gegen Österreich. Am 6. 8.1866 wurde er zum Leutnant befördert.
Den Krieg 1870 / 71 gegen Frankreich erlebte er beim 1. Kurhessischen Infanterie-Regiment Nr. 47.
In der Schlacht bei Wörth und einem späteren Gefecht wird er leicht verwundet und erwarb das EK II. 1873 wurde er Premierleutnant, im September 1877 Hauptmann und Kompaniechef und dann im September 1888 Major und Bataillonskommandant.
Als Oberstleutnant wurde Lothar von 1894 1897 zur Dienstleistung in das Auswärtige Amt kommandiert, als Stellvertreter des Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika und Kommandeur der Schutztruppe.1897 kehrte Lothar in die Heimat zurück und wurde Kommandeur des Infanterie Regiments von Stülpnagel Nr. 48.
Im Dezember 1899 übernahm er die Führung der 77. Infanteriebrigade unter gleichzeitiger Beförderung zum Generalmajor. Am 17. August 1900 wurde Lothar im Chinafeldzug, dem Boxeraufstand, das Kommando der 1. Ostasiatischen Infanteriebrigade übertragen. Er unternahm 7 Expeditionen, eine von ihnen nach Kaigau. Er bereiste 1901 Japan, Java, Sumatra, Indochina, Indien und Ceylon.
Nach seiner Rückkehr wurde Lothar die Führung der 16. Infanteriebrigade übertragen und am 01.03.1903 unter Beförderung zum Generalleutnant die 16. Division in Trier.
Am 3. Mai 1904 erfolgte die Ernennung zum Oberbefehlshaber in Deutsch-Südwest-Afrika und mit dem Auftrag, den Aufstand der eingeborenen Hereros und später der Hottentotten niederzuschlagen. Am 19.08.1905 wurde er von seinem Posten abberufen und für seine Verdienste mit dem Orden pour le mérite" ausgezeichnet.
